Rechnen mit dem Töpfer (1)

Dann mal Butter bei die Fische. Was verdient der Keramiker? Nehmen wir mal einen Monat, welcher 21 Arbeitstage a 8h Arbeitszeit hat. 21 x 8 = 168 h/Monat. Und nun addieren wir mal all die Kosten, welche man als Selbstständiger hat. Die sind bei jedem individuell, aber hier machen wir mal eine „Durchschnittsrechnung“. Es geht nicht genau um MEINEN Lohn, sondern um den „Durchschnittstöpfer“. Krankenkasse (350,-), Rente (Regelbeitrag 500,-), Werkstattmiete (individuell, wir nehmen mal günstige 200,-), Versicherungen (20,-),Telefon/Internet/Webseite (35,-), Autokosten (200,-), und und und. Da kam zum Beispiel jetzt das neue Verpackungsgesetz wo man noch mal zahlen darf, ein Steuerberater ist echt nicht billig, GEZ, GEMA, Stromanschluss, Wasser, Abfallgebühren, Büromaterial, Werkzeuge, Deko… Es ist eine ganze Menge und für jeden Selbstständigen anders.  Diese monatlichen Kosten teilt man durch die oben errechneten 168 monatlichen Arbeitsstunden.

Freilich versucht man diese Summe zu drücken. Mancher zahlt keine Krankenkasse, keinen Rentenbeitrag, spart am Auto, versichert sich nicht. Sollte man das tun, nur damit der Kunde günstige Keramik bekommt? Finde ich nicht, aber so läuft es eben im Kapitalismus. 🙁 Fakt ist aber: ob der Töpfer (bzw. der Selbstständige) arbeitet, oder nicht – jede Stunde geht Geld vom Konto. Tick tack, tick tack, die Uhr bleibt niemals stehen! Zum einfachen und besseren rechnen, sagen wir mal, es sind 10 Euro/h an anfallenden Kosten. Man bedenke aber ebenso, dass dies schon reichlich ungerecht ist. Denn 25 Tage Urlaub, oder Feiertage sind hier gar nicht eingeplant. Beim Angestellten läuft die Lohnuhr in dieser Zeit auch. Mache ich hingegen mal frei oder bin krank, dann laufen nur meine Kosten dennoch weiter. Tick tack, tick tack! Die Lohnuhr steht an meinen freien Tagen einfach nur still. Aber das würde die Rechnung an dieser Stelle aber nur komplizierter machen. Habe es nur mal erwähnt.

Jetzt möchte man ja auch etwas übrig haben. Also Gewinn, was man auch als Lohn bezeichnen kann. Man macht sich nicht unbedingt selbstständig, um Durchschnittslohn zu bekommen. Aber nehmen wir mal die 10,-/h, zum einfachen rechnen. (Jetzt, wo Verdi für Flughafenmitarbeiter 20,-/h verlangt…)
Ich muss also pro Stunde dann 20,- Euro erarbeiten, damit zehn übrig sind
(20€ Einnahme – 10€ Kosten = 10€ Gewinn).

Zehn Euro sind also Gewinn? Halt da war doch was? Ja – denn vom Gewinn will der Staat dann 19% von haben. Also muss man noch mehr verdienen, damit 10,- übrig bleiben.
Kaufst du also einen Krug für 25 Euro beim Töpfer – so hat der nicht 25 Euro verdient. Er hat nicht mal die grob errechneten zehn Euro verdient. Wie das nun wieder kommt, schreibe ich im zweiten Teil der Serie.